Übersetzung, Texte, Fotografie, Pressearbeit, Layout und Design

Die Künstler: Rasha Deeb, Ahmed Amer und Khadija Ghanem  //  Foto: Anne Retter
Die Künstler: Rasha Deeb, Ahmed Amer und Khadija Ghanem // Foto: Anne Retter

Für die Wanderausstellung "Frauen im Krieg und auf der Flucht", die über die Sozial und Verfahrensberatung der Diakonie im Zusammenarbeit mit der Caritas realisiert wurde, durfte ich Einladungen, Flyer, ein Plakat und den 56 Seiten umfassenden Ausstellungskatalog erstellen, sowie die Zusammenarbeit mit der Presse übernehmen. Ich hatte dabei freie Hand sowohl im Hinblick auf die grafische Gestaltung als auch bei der textlichen Ausarbeitung. Zahlreiche Exponate waren zu fotografieren und für die Darstellung im Katalog aufzubereiten.

 

Zum Text:

 

Die umfangreichen Beiträge der drei syrischen Kunstschaffenden wurden mir in langen Gesprächen von ehrenamtlich dolmetschenden arabischen Muttersprachlern auf Englisch dargelegt. Insbesondere poetische Passagen waren dabei eine Herausforderung: Die Transformation eines arabischen Ursprungstextes über die englische Vermittlung in die deutsche Sprache muss einerseits für den deutschsprachigen Leser verständlich und nachvollziehbar sein, jedoch auch die lyrische Intention, den "Klang" des Schöpfers und die angesprochenen Emotionen transportieren. Mit einer rein inhaltlichen Übersetzung ist es daher nicht getan.

 

 

Zur Gestaltung:

 

Bei der Typografie habe ich mich für die Kombination eines Fonts aus Kapitälchen (Kleinbuchstaben in Form von Großbuchstaben) und einer Schriftart entschieden, die an mit Schablonen aufgesprühte, militärische Beschriftungen erinnert.

 

Üblicherweise wird für Fließtext keine Schrift mit Kapitälchen verwendet. Ich habe mich hier dennoch dafür entschieden, weil es den Lesefluss zunächst leicht verzögert, der Leser sich aber schnell eingewöhnt und die Rezeption nicht weiter durch die Typografie gestört wird. Der Inhalt sollte nicht ohne ein konzentriertes Einlassen auf den Inhalt möglich sein (kein "Überfliegen") und den Charakter eines einzigen, großen Aufschreis unterstreichen (wir empfinden Großbuchstaben als "laut"). Die "Schablonenschrift" kontrastiert optisch gut dazu und stellt den Bezug zu Rauheit und Krieg her.

 

Für die farbliche Gestaltung habe ich Gelb und Schwarz gewählt. Einerseits verstehen wir die Kombination Gelb-Schwarz als Warnung vor Gefahren (Hinweisschilder, giftige Insekten, etc.), andererseits haben die Künstler die Farben häufig verwendet. Gelb steht ihren Angaben nach in der arabischen Kultur für den Tod. Schwarz verweist auf Zerstörung und Dunkelheit und ist für die westliche Welt die Farbe von Tod und Trauer. Gelb und Schwarz stellen darüber hinaus einen auffälligen Kontrast dar, der Aufmerksamkeit erzeugt.

 

Im Katalog und den Einladungen habe ich einen grauen Seitenhintergrund verwendet, da Grau die Wirkung anderer Farben gut unterstützt und die Kunstschaffenden geschildert haben, dass Grau für sie zur bestimmenden Farbe des Krieges in ihrer Heimat geworden ist: Die ausgebombten Städte und Dörfer sind von einer grauen Staubschicht bedeckt, die Farbe ist allgegenwärtig. Die großen Seitenüberschriften sind gelb hinterlegt und erinnern an ein "Crime-Scene"-Absperrband. Bei den Seiten, auf denen Kunstwerke abgebildet sind, habe ich auf die Hinterlegung verzichtet, um den Fokus des Betrachters nicht vom Werk abzulenken.

 

 

 

Download
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Fotografisch ging es hier um eine möglichst realitätsgetreue Abbildung der Kunstwerke, die jedoch nur unter provisorischen Bedingungen in der LEA Meßstetten abgelichtet werden konnten. Für die Portraits der drei KünstlerInnen im Katalog habe ich eine Darstellungsform gewählt, die an Schablonen-Graffiti erinnert. Das passt gut zur Schriftart "Gunplay" und verweist gleichzeitig darauf, dass sie als Geflüchtete neu herausfinden müssen, wer sie sind und wie sie sich im Leben verorten. Klar war für sie alle jedoch, dass sie sich mit ihrer Kunst als Form der Sprache identifizieren. Sie sind auf diese Weise auch selbst als Kunstwerke dargestellt.

 

Die Einteilung des Katalogs basiert auf der Idee, jedem Werk eine eigene Doppelseite zuzugestehen: Die Abbildung und die Daten links, auf der rechten Seite die Einlassungen des Schöpfers dazu. Da die Seitenzahl begrenzt werden musste, die Biografien aber in ihrer künstlerischen (sprachlichen) Gestaltung nicht gekürzt werden sollten und dennoch auf eine Doppelseite passen mussten, ist die Gestaltung hier gedrängter als wünschenswert ist. Ich habe dem Inhalt insgesamt Vorrang vor dem visuellen Eindruck gegeben.